Ein sattgrüner, gleichmäßiger Rasen gilt für viele noch immer als Idealbild im Garten. Doch dieses Bild hat seinen Preis: Ein konventioneller Rasen ist pflegeintensiv, verbraucht viel Wasser und benötigt häufig Dünger sowie Pflanzenschutzmittel, um dauerhaft „perfekt“ auszusehen. Angesichts zunehmender Trockenperioden und eines wachsenden Umweltbewusstseins lohnt es sich, umzudenken. Eine naturnahe und zugleich attraktive Alternative ist der sogenannte Kräuterrasen.
Warum der klassische Rasen problematisch ist
Ein herkömmlicher Zierrasen besteht meist aus wenigen, speziell gezüchteten Gräserarten. Diese sind auf einheitliches Wachstum und Belastbarkeit ausgelegt, aber auch anspruchsvoll:
- Hoher Wasserbedarf: Gerade in heißen Sommern muss regelmäßig bewässert werden, um ein Austrocknen zu verhindern.
- Düngemitteleinsatz: Damit der Rasen dicht und grün bleibt, sind häufige Düngergaben nötig.
- Pflanzenschutzmittel: Moos, Unkraut oder Pilzkrankheiten werden oft mit chemischen Mitteln bekämpft.
- Geringe ökologische Vielfalt: Für Insekten bietet ein klassischer Rasen kaum Nahrung oder Lebensraum.
Das Ergebnis ist eine Fläche, die zwar ordentlich aussieht, aber ökologisch wenig wertvoll ist und viel Pflege erfordert. Das wollen wir ändern!
Was ist ein Kräuterrasen?
Ein Kräuterrasen ist eine Mischung aus robusten Gräsern und niedrig wachsenden, trittfesten Wildkräutern. Dazu können beispielsweise gehören:
- Kleearten
- Gänseblümchen
- Thymian (niedrig wachsend)
- Schafgarbe
- Gundermann
Diese Pflanzen wachsen gemeinsam zu einer lebendigen, widerstandsfähigen Fläche heran, die deutlich naturnäher ist als ein klassischer Rasen.
Vorteile eines Kräuterrasens
- Kaum Pflegeaufwand: Ein Kräuterrasen muss seltener gemäht werden und kommt oft mit weniger Nährstoffen aus. Das spart Zeit und Ressourcen.
- Weniger Wasserverbrauch: Viele Kräuter sind durch ihre tiefen Wurzeln trockenheitsresistenter als Rasen. Dadurch bleibt die Fläche auch in Hitzeperioden länger grün.
- Kein Bedarf an Chemie: Durch die höhere Artenvielfalt entsteht ein stabiles Ökosystem. Unkrautprobleme regulieren sich häufig von selbst, sodass auf Pflanzenschutzmittel verzichtet werden kann.
- Förderung der Biodiversität: Blühende Kräuter bieten Nahrung für Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten. Der Garten wird lebendiger und ökologisch wertvoller.
- Angenehme Nutzung: Ein Kräuterrasen fühlt sich weich an, duftet oft angenehm und kann – je nach Mischung – genauso betreten und genutzt werden wie ein normaler Rasen.
Wie entwickelt man einen Kräuterrasen?
Der Weg zum Kräuterrasen ist einfacher als viele denken:
- Bestehenden Rasen umwandeln: Man kann einen vorhandenen Rasen schrittweise umwandeln, indem man weniger düngt, seltener mäht, gezielt Kräutersamen einsät. So setzen sich nach und nach robuste Kräuter durch.
- Neuansaat: Bei einer Neuanlage empfiehlt sich eine spezielle Kräuterrasenmischung. Gibt’s z.B. bei Rieger-Hofmann GmbH. Diese enthält bereits eine abgestimmte Kombination aus Gräsern und Kräutern.
- Boden vorbereiten: Ein magerer Boden ist ideal. Zu nährstoffreiche Böden begünstigen starkes Graswachstum und verdrängen Kräuter.
- Geduld haben: Ein Kräuterrasen entwickelt sich nicht über Nacht. Es kann ein bis zwei Jahre dauern, bis sich ein stabiles Gleichgewicht einstellt.
Fazit
Der klassische Rasen ist ein Relikt aus Zeiten, in denen Wasser und Ressourcen scheinbar unbegrenzt verfügbar waren. Ein Kräuterrasen hingegen passt besser in eine nachhaltige Gartenkultur: Er spart Wasser, reduziert den Pflegeaufwand und schafft wertvollen Lebensraum für zahlreiche Tiere.
Im Sinne eines echten „Gartenwandels“ ist er damit nicht nur eine Alternative – sondern ein Schritt hin zu einem lebendigeren, resilienteren Garten.
Ein Kommentar
Heute wurde wieder gemäht auf den öffentlichen Flächen im Dorf; gemäht bis zu den Wurzelansätzen auf dem trockenen Boden. Was bis zu diesem Zeitpunkt eine kleine Blumenwiese mit lebendiger Insektenaktivität mit Hummeln, Schmetterlingen und vereinzelt sogar Bienen war, ist jetzt nur noch kahl. Ich frage mich, weshalb niemand den Wert dieser kleinen, innerdörflichen Inseln mit Königskerzen, und anderen insekten- und besonders bienenfreundlichen Blühpflanzen, erkennt und diese Flächen hegt und pflegt. Die Fläche, vormals eine Grünfläche, ist nun hässlich und kahl, leblos. Ordentlich? Nein, die Fläche ist nun hässlich, nutzlos und unästhetisch. Wo finden unsere Schwalben, die dieses Jahr glücklicherweise wieder hier nisten, ausreichend Nahrung? Die Wiese, wo es brummte und summte ist ersteinmal weg, mitten im Mai.