Mit unserem Beitrag heute möchten wir auf die Frage unserer Leserin Frau Senftleben antworten! Sie schrieb uns per Mail (das Einverständnis zur Veröffentlichung liegt vor). Hier ein Auszug:
Guten Tag,
Zum ersten Mal in meinen 51 Jahren, erlebe ich einen Spätsommer ohne Schmetterlinge. Bis auf ein paar Kohlweißlinge – nichts. Der Tisch in meinem Garten ist reich gedeckt und niemand kommt. Die Schmetterlingsflieder und die Goldruten, die überreifen Pflaumen – verweist. Sonst sind sie um diese Zeit immer voller Tagpfauenaugen und Admirale.
Ich bin tief erschüttert und voller Trauer. Was ist da los? Freunde berichten aus ihren Gärten ähnliches. Ich lebe in der brandenburgischen Kleinstadt Bad Belzig und möchte hiermit eine Vermißtenanzeige aufgeben! Auch Wildbienen sind sehr wenige da, nachdem Falter und Wildbienen im Frühsommer noch zahlreich waren.
Bitte setzen Sie mich in Kenntnis, falls es noch andere solcher Beobachtungen gibt und ob Sie eine Erklärung dafür haben.
Trockenes Frühjahr wirkt bis in den Spätsommer nach
Ein warmer Altweibersommer, volle Pflaumenbäume, bunte Beete – und doch fehlt etwas: die Schmetterlinge. Kaum ein Admiral an überreifen Pflaumen, selten ein Distelfalter im Garten, und selbst die vertrauten Tagpfauenaugen lassen sich in diesem Jahr seltener blicken. Was ist passiert?
Frühjahrstrockenheit als Ausgangspunkt
Die Ursache für die Stille am Himmel liegt schon Monate zurück. Das Frühjahr 2025 war in Brandenburg eines der trockensten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen: Von Februar bis April fielen bis zu zwei Drittel weniger Niederschlag als im langjährigen Mittel. Pflanzen litten massiv – auch Brennnesseln, Disteln oder Klee, die als Raupenfutter unverzichtbar sind. Wo sie vertrockneten, konnten Raupen nicht überleben.
Admiral, Distelfalter und Co. – weniger Wanderer aus dem Süden
Arten wie der Admiral oder der Distelfalter sind auf Einwanderung aus dem Süden angewiesen. Doch wenn schon in Südeuropa Dürre herrscht, kommen weniger Tiere bei uns an. Normalerweise stärken sie im Sommer ihre Energie an Efeublüten oder Fallobst und sind so ein typischer Anblick im Spätherbst. Dieses Jahr bleiben viele Gärten jedoch leer.
Tagpfauenauge – ein vertrauter Gartenfalter auf Rückzug
Auch das Tagpfauenauge, einer unserer bekanntesten Falter, ist seltener geworden. Im Sommer konnte man nur wenige Tiere auf Buddleja-Sträuchern oder Sommerblumen beobachten. Die Ursachen sind vielfältig: Trockenheit im Raupenstadium, weniger Brennnesseln, dazu Parasiten wie Raupenfliegen. Was uns im Alltag als „fehlendes Flattern“ auffällt, ist Teil einer größeren Entwicklung – selbst robuste Arten geraten unter Druck.
Folgen für Brandenburgs Natur
Weniger Schmetterlinge bedeuten auch weniger Bestäubung und weniger Nahrung für Vögel. Die bunte Vielfalt, die wir als typisch für unsere Landschaft kennen, reagiert empfindlich auf Klimaschwankungen. Ein einziges trockenes Frühjahr kann die ganze Jahrespopulation verändern.
Was Gärten und Blühflächen bewirken können
Jeder Beitrag zählt – sei es auf großen Flächen oder im eigenen Garten:
- Blühstreifen und Wildblumen sorgen für stabile Lebensräume, auch in trockenen Jahren.
- Brennnesseln stehen lassen: Sie sind Kinderstube für Tagpfauenauge, Kleinen Fuchs und Admiral.
- Spätblüher pflanzen: Efeu, Astern oder Herbstastern liefern Nahrung bis weit in den Herbst.
- Strukturreiche Gärten schaffen: Totholz, Laubhaufen oder stehen gebliebene Stängel sind Winterquartiere.
Ausblick
Auch wenn dieser Spätsommer stiller wirkt als gewohnt – Schmetterlinge sind anpassungsfähig. Viele Arten können sich in wenigen guten Jahren wieder erholen. Voraussetzung ist, dass sie Rückzugsräume finden – in der Landwirtschaft durch Blühstreifen und in unseren Gärten durch mehr Vielfalt. Wenn wir ihnen diese Chancen geben, werden wir hoffentlich bald wieder bunte Admirale auf Pflaumen und Tagpfauenaugen auf Sommerblumen begrüßen können.
3 Kommentare
Ja, sie sind weniger geworden, aber vor zwei Tagen bei Sonne waren noch Hummeln, Wespen, Honigbienen, Schwebfliegen und ein Admiral unterwegs. Es blühen noch einzelne Sedumarten und Wildblumen wie Färberkamille, Wegwarte, Reiherschnabel, Ochsenauge und Wilde Rauke. Da kann man sich ein Tröpfchen holen. Gruß Uta Siefert
Danke Ursula,
für deine Liebe zu den Insekten und dein Unermüdliches Sorgen für den Erhalt ihres Lebensraums. Du bist für mich Vorbild und Ermutigung!
Liebe Grüße,
Uta
Vielen Dank für diesen Artikel, ja auch wir im Raum Königs Wusterhausen vermissen die Admirale, die so gern auf unseren Äpfeln und Pfirsichen gesessen haben.
Es grüßt Fam. Schuppe