Ausgabe Juli 2026 - Der Sommer zeigt seine ganze Vielfalt
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    🌿 Editorial

    Liebe Freundinnen und Freunde der Natur,

    der Hochsommer ist eine Zeit voller Leben. Während viele Menschen bereits an Urlaub denken, erreicht die Natur ihren Höhepunkt. Auf unseren Blühflächen summen Wildbienen und Hummeln, Schmetterlinge tanzen über die Wiesen und an den Storchenhorsten stehen die Jungvögel kurz vor ihrem ersten großen Schritt – dem Ausflug in die weite Welt.

    Gerade jetzt wird sichtbar, welchen Wert naturnahe Landschaften besitzen. Blühstreifen, Streuobstwiesen, Hecken und Feuchtgebiete sind weit mehr als schöne Landschaftselemente. Sie sind Lebensraum, Klimaschützer und Rückzugsorte zugleich.

    Auch in den vergangenen Wochen waren wir unterwegs und starten heute mit der Neuauflage der Blühstreifen-Post. Einmal im Monat möchten wir euch mitnehmen: zu spannenden Projekten, besonderen Naturbeobachtungen und praktischen Tipps verbunden mit Informationen aus der Region.

    Viel Freude beim Lesen!

    Weißstorch beim Rückflug zum Nest nach erfolgreicher Rettung

    📰 Titelgeschichte

    Ein Jungstorch in Zülichendorf kämpft sich zurück ins Leben

    Manchmal entscheidet eine gute Zusammenarbeit über den Ausgang einer Geschichte.

    Im Juli wachsen die Jungstörche heran und im Auftrag des Landesamtes für Umwelt werden sie in jedem Jahr auf ehrenamtlicher Basis gezählt. Die Anzahl der flügge gewordenen Jungen sagt viel über den Zustand der Landschaft als Storchenlebensraum aus. Dabei geht es vor allem um die Verfügbarkeit von Nahrung. Fast in jedem Jahr gibt es Besonderheiten an einem der Horste, welche nicht selten die Hilfe des Menschen erforderlich machen oder außergewöhnliche Beobachtungen ermöglichen. Bevor wir im nächsten Newsletter die aktuellen Zahlen veröffentlichen, soll an dieser Stelle über ein solches Schicksal erzählt werden

    Ende Juli sorgte ein Jungstorch in Zülichendorf für Besorgnis. Der bereits mobile Vogel hatte den Horst verlassen und hielt sich mehrere Tage auf einer kleinen, eingezäunten Wiese unterhalb des Nestes auf. Während seine beiden Geschwister im Horst weiterhin von den Altstörchen versorgt wurden, erhielt er dort keine Nahrung mehr. Die Sorge war groß, dass ihm die Kraft für weitere Flugversuche fehlen könnte.

    Gemeinsam mit der Naturwacht Brandenburg, engagierten Anwohnern und in Abstimmung mit der Storchenbetreuung wurde die Situation genau beobachtet. Als Storchenbetreuerin vor Ort schlug ich vor, den Jungstorch vorübergehend mit kleinen Mengen Eintagsküken und Fisch zu unterstützen. Die Naturwacht setzte diese Maßnahme gemeinsam mit den Anwohnern um. Ziel war nicht, den Vogel dauerhaft zu versorgen, sondern ihm die nötige Energie für weitere Flugversuche zu geben.

    Der Plan ging auf: Mit jedem Tag wurde der Jungstorch kräftiger und sicherer in der Luft. Schließlich gelang ihm der entscheidende Flug zurück auf seinen Horst, wo er wieder gemeinsam mit seinen Geschwistern von den Altstörchen gefüttert wurde.

    Für den jungen Weißstorch beginnt nun der nächste große Abschnitt seines Lebens. In wenigen Wochen wird er sich gemeinsam mit vielen Artgenossen auf den weiten Zug in sein Winterquartier begeben – ein schöner Abschluss einer Geschichte, die dank umsichtigen Handelns und guter Zusammenarbeit ein glückliches Ende gefunden hat.

    📷 Foto des Monats

    Ein Baum bekommt ein Gesicht

    Manchmal sind es die kleinen Momente, die zeigen, wie aus einer Pflanzung echte Verbundenheit entsteht.

    Vor wenigen Tagen besuchte die Patin Barbara P. aus Berlin „ihren“ Apfelbaum am Naturlehrpfad Buchholz. Gemeinsam brachten wir die persönliche Holzplakette am Baum an – ein sichtbares Zeichen dafür, dass Verantwortung für die Natur ganz persönlich werden kann.

    Wer einen Obstbaum übernimmt, unterstützt nicht nur dessen Pflege. Mit den Jahren wächst eine besondere Beziehung. Aus einem jungen Baum wird ein blühender Obstbaum, später vielleicht ein schattenspendender Begleiter für kommende Generationen.

    Solche Begegnungen zeigen uns immer wieder: Naturschutz lebt von Menschen, die sich langfristig engagieren. Dafür möchten wir allen Patinnen und Paten herzlich danken.

    👤 Menschen für die Natur

    Im Gespräch mit Hannes Wulf vom Landschaftspflegeverband Potsdamer Kulturlandschaft

    Wie bist du denn dazu gekommen, dass du bei einem Verband arbeitest, der die Natur pflegt?

    Ich habe damals nach meiner Ausbildung in Potsdam noch eine Weiterbildung zum Streuobstwiesenpfleger beziehungsweise Obstbaumwart in Groß Kreutz gemacht. Da habe ich gemerkt, dass mir das liegt, dass ich Spaß daran habe und mich das auch interessiert. Ich wollte in diesem Bereich gerne weiterarbeiten. Deshalb habe ich mich dann für ein Studium der Landschaftsnutzung und des Naturschutzes in Eberswalde entschieden – in der Hoffnung, später selbst Streuobstwiesen im größeren Stil anlegen und pflegen zu können. Nach Abschluss des Studiums habe ich mich dann beim Landschaftspflegeverband Potsdamer Kulturlandschaft beworben, weil das dort ebenfalls auf der Agenda steht. Das hat geklappt. Ich bin jetzt seit etwa einem Jahr dort und darf mich um diese Aufgaben kümmern.

    Wofür engagierst du dich in deinem beruflichen Umfeld besonders? Was ist dein Schwerpunkt?

    Mein Schwerpunkt liegt in der praktischen Landschaftspflege, zum Beispiel in der Pflege von Streuobstwiesen oder der Habitatpflege von Zauneidechsen. Außerdem arbeite ich an Projekten mit, etwa bei der Planung und Umsetzung solcher Maßnahmen. Neben der Pflege der Obstbäume gebe ich Schnittkurse und engagiere mich auch in der Umweltbildung.

    Heute führst du hier die Pflege unter den Obstbäumen durch. Warum ist das wichtig?

    Das ist wichtig, damit gerade junge Bäume nicht so viel Konkurrenz haben und nicht mit den Gräsern und Kräutern um sie herum um Nährstoffe, Wasser und Platz konkurrieren müssen. So kommen die Ressourcen, die ihnen an ihrem Standort zur Verfügung stehen, möglichst den Bäumen zugute und sie können besser wachsen. Gräser sind dabei sehr konkurrenzstark. Im Garten, wo man nur wenige Bäume hat, hackt man die Baumscheiben am besten regelmäßig.

    Was war dein schönster Moment in der Natur in letzter Zeit?

    Bei der großen Hitzewelle mit fast 40 Grad habe ich am Abend noch die jungen Bäumchen gegossen. Pünktlich zum Sonnenuntergang zog dann ein Gewitter auf – ein beeindruckender Moment und eine wunderbare Belohnung nach einem langen, heißen Arbeitstag.

    Oder noch näher an seiner ursprünglichen Formulierung:

    Bei der großen Hitzewelle mit fast 40 Grad habe ich am Abend noch die jungen Bäumchen gegossen. Beim Sonnenuntergang wurde ich dann mit einem Gewitter belohnt. Das war ein toller Moment.

    🌱 Gartentipp des Monats

    Kürbisse lieben den Kompost

    Wer einen Komposthaufen im Garten hat, besitzt den idealen Standort für Kürbisse. Am Fuß des Komposts gepflanzt entwickeln sie kräftige Triebe, große Blätter und bringen oft eine besonders reiche Ernte hervor.

    Der Grund: Der Kompost liefert kontinuierlich Nährstoffe und speichert Feuchtigkeit. Gleichzeitig werden überschüssige Nährstoffe, die bei Regen ausgewaschen werden, von den Kürbispflanzen aufgenommen und in gesundes Wachstum umgesetzt. So entsteht ein natürlicher Kreislauf – gut für den Garten und gut für die Ernte.

    🍽️ Rezept des Monats

    Gefüllte Kürbisblüten mit Kräuter-Frischkäse

    Die großen männlichen Kürbisblüten sind eine besondere Delikatesse. Sie können geerntet werden, ohne die Fruchtbildung zu beeinträchtigen. Männliche Blüten erkennt man daran, dass sie nur an einem dünnen Stiel sitzen und keine kleine Kürbisfrucht hinter der Blüte tragen.

    Zutaten (für 4 Blüten)

    • 4 große männliche Kürbisblüten
    • 150 g Frischkäse
    • 2 EL geriebener Parmesan
    • Schnittlauch, Petersilie, etwas Basilikum oder Thymian
    • 1 kleine Knoblauchzehe
    • Salz und Pfeffer
    • etwas Zitronenabrieb
    • Olivenöl

    Zubereitung

    Die Blüten vorsichtig ausschütteln und den Blütenstempel entfernen. Frischkäse mit Parmesan, fein gehackten Kräutern, Knoblauch und etwas Zitronenabrieb verrühren und mit Salz und Pfeffer abschmecken.

    Die Blüten locker füllen und die Blütenspitzen leicht zusammendrehen. Anschließend in etwas Olivenöl von beiden Seiten jeweils zwei bis drei Minuten bei mittlerer Hitze anbraten, bis sie leicht gebräunt sind.

    Dazu passt ein frischer Tomatensalat, geröstetes Baguette oder ein mediterranes Gemüsegericht.

    Unser Tipp: Auch ungefüllt schmecken die Blüten hervorragend – in feine Streifen geschnitten über einem Sommersalat oder als aromatische Ergänzung zu Pasta.

    🦋 Tier des Monats

    Der Schachbrettfalter

    Mit seinem schwarz-weißen Flügelmuster gehört der Schachbrettfalter zu den schönsten Tagfaltern unserer Wiesen. Besonders auf extensiv gepflegten, blütenreichen Flächen fühlt er sich wohl.

    Seine Raupen leben vor allem an verschiedenen Gräsern. Deshalb sind nicht nur Blüten wichtig, sondern auch Bereiche, die erst später im Jahr gemäht werden. Wer im Garten kleine Wieseninseln stehen lässt oder heimische Wildblumen fördert, schafft wertvolle Lebensräume für diese faszinierende Art.

    💡 Wussten Sie schon?

    Viele Sommerblüten sind essbar!

    Nicht nur Gemüse und Kräuter bereichern unsere Sommerküche – auch zahlreiche Blüten aus Garten und Natur sind essbar und verleihen Salaten, Desserts oder Getränken eine besondere Note.

    Dazu gehören beispielsweise Kapuzinerkresse, Ringelblume, Malve, Lavendel, Rose, Duftveilchen, Borretsch, Gänseblümchen, Kornblume, Kürbisblüten, Nachtkerze, Wiesenschaumkraut oder Schnittlauchblüten.

    Unser Tipp: Sammeln Sie Blüten nur an unbelasteten Standorten – fern von stark befahrenen Straßen und nicht auf Flächen, die möglicherweise mit Pflanzenschutzmitteln behandelt wurden. Pflücken Sie nur Arten, die Sie sicher bestimmen können.

    Ein bunter Blütensalat ist nicht nur ein Blickfang, sondern bringt auch überraschende Aromen auf den Teller.

    Bunter Blütensalat mit essbaren Sommerblüten wie Kapuzinerkresse und Ringelblume

    🌿 Gartenwandel geht weiter!

    Auch unser Wettbewerb Gartenwandel geht in die nächste Runde. Wer seinen Garten naturnah gestaltet, kann seine Maßnahmen weiterhin einreichen und sich für die Auszeichnung mit der Gartenwandel-Plakette bewerben.

    Jeder noch so kleine Schritt zählt – ob neue Blühflächen, heimische Gehölze, Nisthilfen oder eine wilde Gartenecke. Gemeinsam machen wir unsere Gärten zu wertvollen Lebensräumen für Tiere und Pflanzen.

    Plakette Gartenwandel

    🤝 Mitmachen

    Der Schmetterlings-Sommer 2026

    Der Hochsommer ist die schönste Zeit, unsere heimischen Tagfalter zu beobachten. Ob im Garten, auf dem Balkon, entlang eines Feldwegs oder auf einer blütenreichen Wiese – überall lassen sich jetzt Schmetterlinge entdecken.

    Machen Sie mit!

    Gehen Sie in den nächsten Wochen einmal ganz bewusst auf Schmetterlingssuche. Wie viele verschiedene Arten können Sie entdecken? Vielleicht begegnen Ihnen Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs, Zitronenfalter, Admiral, Schachbrettfalter oder sogar ein seltener Gast.

    Wir freuen uns über Ihre Beobachtungen und Fotos aus der Region. Schreiben Sie uns, welche Arten Sie entdeckt haben und wo Sie sie gesehen haben. Mit Ihren Meldungen möchten wir in einer der nächsten Ausgaben einen kleinen Rückblick auf den Schmetterlingssommer 2026 veröffentlichen.

    Jede Beobachtung zählt – gemeinsam machen wir die Artenvielfalt unserer Region sichtbar.

    Schmetterling auf einer blütenreichen Sommerwiese beim Schmetterlingssommer 2026

    📅 Termine

    Agroforst erleben – Einladung nach Elsholz

    Montag, 25. August 2026, 18:30 Uhr

    📍 Treffpunkt: Feuerwehr Elsholz, 14547 Beelitz, Ortsteil Elsholz

    Wie entstehen Agroforstsysteme? Welche Vorteile bieten Bäume auf landwirtschaftlichen Flächen für Klima, Boden und Artenvielfalt? Und wie können Bürgerinnen und Bürger selbst dazu beitragen, wertvolle Daten zu sammeln?

    Gemeinsam besuchen wir das Agroforstsystem in Elsholz. Herr Frenzel berichtet über die Planung, Entstehung und Entwicklung der Anlage und gibt spannende Einblicke in die praktische Umsetzung.

    Außerdem stellen wir das Bürgermonitoring vor – ein Projekt, bei dem interessierte Bürgerinnen und Bürger die Entwicklung von Pflanzen und Tieren im Agroforst begleiten können. Nach unserem Kenntnisstand ist dies das erste Projekt dieser Art in unserer Region und bietet allen Naturinteressierten die Möglichkeit, aktiv an wissenschaftlich wertvollen Beobachtungen mitzuwirken.

    Die Teilnahme ist kostenfrei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

    Wir freuen uns auf einen gemeinsamen Sommerabend mit vielen interessanten Gesprächen und spannenden Einblicken in die Landwirtschaft der Zukunft.

    Beispiel für Agroforstsystem im Betrieb Gut & Bösel, Alt Madlitz
    Beispiel für Agroforstsystem im Betrieb Gut & Bösel, Alt Madlitz

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