Ein Blick in eure Gärten: Erste Erkenntnisse aus dem Projekt Gartenwandel

In den vergangenen Monaten ist im Rahmen unseres Projekts Gartenwandel viel passiert. Zahlreiche Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben uns Einblicke in ihre Gärten gegeben, Veränderungen dokumentiert, kleine und große Erfolge geteilt und dabei gezeigt, wie vielfältig der Weg zu einem klimafitten Garten aussehen kann. Die ersten Plaketten wurden vergeben, die Teilnehmer:innen drüber informiert.

Die Einsendungen spiegeln nicht nur unterschiedliche Ausgangssituationen wider, sondern auch den Mut, Neues auszuprobieren und bestehende Routinen zu hinterfragen.

In diesem Beitrag werfen wir einen ersten Blick auf eure Rückmeldungen: Welche Entwicklungen sind sichtbar geworden? Was hat gut funktioniert, wo gab es Überraschungen – und was können wir gemeinsam daraus lernen? Ergänzt mit euren Fotos entsteht so ein lebendiges Bild davon, wie Gartenwandel ganz konkret aussieht.

Wir können hier und heute leider nicht alle Einsendungen berücksichtigen. Das würde den Umfang des Beitrags sprengen. Wir werden aber von Zeit zu Zeit weitere Gärten und und die darin umgesetzten Maßnahmen vorstellen, versprochen!

Selbst aussäende Ringelblumen | H. aus dem Fläming

Die Einsendung von H. aus dem Fläming zeigt eindrucksvoll, wie konsequent ein großer Garten ökologisch bewirtschaftet werden kann. Auf ihrem drei Hektar großen Grundstück lässt sie rund ein Hektar bewusst als Wildnis stehen, pflegt alten Obstbaumbestand und bewirtschaftet einen vielfältigen Gemüse- und Staudenbereich. Viele unserer Empfehlungen setzt sie bereits seit Jahren um – und dennoch holt sie sich immer wieder neue Anregungen aus dem Projekt.

Typisch für ihren Ansatz sind chemiefreies Gärtnern, reichlich Blühpflanzen für Insekten, Laub- und Mulchpflege, Mischkultur, Beerensträucher, Totholzhecken und große Kompostbereiche. Auch das Thema Wasser ist zentral: Mit Rinnen, Tonnen und Tanks fängt sie Regen gezielt auf. Ergänzt durch Nisthilfen, geringe Außenbeleuchtung und eine Schilfkläranlage entsteht bei H. ein lebendiger, zukunftsfähiger Naturraum, der zeigt, wie Gartengestaltung im Fläming ökologisch wirken kann.

Sammeln von Regenwasser | H. aus dem Fläming
Stauden | H. aus dem Fläming
Blühendes Beet | H. aus dem Fläming

Die Einsendung von Angela und Eddie Z. aus Treuenbrietzen zeigt, wie vielseitig und pragmatisch Gartenwandel im Alltag aussehen kann. Seit zwei Jahren ersetzen sie Schritt für Schritt den Rasen durch Schafgarbe, die mit Trockenheit deutlich besser zurechtkommt und sich durch gezieltes Blühen lassen selbst aussät. Auch beim Umgang mit Schnittgut gehen sie neue Wege: Statt zu verbrennen, setzen sie auf eine Benjeshecke, die dank Nachbarschnittgut rasant wächst – gelegentlich sogar unter aktiver „Mithilfe“ ihres blinden Pferdes.

Ihr Hof ist zudem ein Ort für Tiere aus dem Tierschutz: Pferd, Hunde und ehemalige Legehennen gehören selbstverständlich zum Kreislauf, ihre Hinterlassenschaften werden kompostiert oder zu Jauche verarbeitet. Im hinteren Bereich kämpfen beide allerdings mit der sich stark ausbreitenden Graukresse und suchen hierzu aktiv nach Tipps. Weitere Maßnahmen sind das Fällen alter Fichten zugunsten einer kleinen Streuobstwiese, vielfältiger Gemüseanbau im Beet, Hochbeet oder in alten Trögen sowie konsequente Regenwassernutzung.

Auch arbeiten beide mit natürlichen Methoden gegen Schädlinge und testet innovative Ansätze zur Bodenabdeckung: Karton unter Stroh erweist sich für sie als äußerst wirksam gegen Unkraut und Trockenstress – besonders auf dem notorisch regenarmen Standort Niebel. Insgesamt zeigt die Einsendung, wie kreativ und lösungsorientiert man auch unter herausfordernden Bedingungen gärtnern kann – und wie wertvoll der Austausch über solche Erfahrungen ist.

Benjeshecke | Eddie Z. aus Treuenbrietzen
Beete | Eddie Z. aus Treuenbrietzen

Die Einsendung von Familie M. aus Beelitz zeigt, wie engagiert auch junge Familien ihren Garten Schritt für Schritt in einen naturnahen Lebensraum verwandeln können. Seit dem Einzug 2022 gestalten Stephan und Hanne gemeinsam mit ihren beiden kleinen Kindern ihr Grundstück in Fichtenwalde konsequent ökologischer. Nicht-heimische Gehölze wurden entfernt und durch heimische Obstbäume und Sträucher ersetzt, sodass der Garten zunehmend zu einem wertvollen Habitat für lokale Tier- und Pflanzenarten wird.

Mit Wasserstellen für Vögel und Insekten, Totholz-, Stein- und Asthaufen sowie einem aktiven Ameisenhaufen schaffen sie vielfältige Mikrostrukturen, die vielen Arten zugutekommen. Ergänzt wird dies durch Nisthilfen, einen Fledermauskasten, ungemähte Wiesenbereiche und bewusst stehen gelassene Kiefern-Stubben, die Käfern Lebensraum bieten. So entsteht ein junger, aber bereits bemerkenswert strukturreicher Garten voller ökologischer Vielfalt.

Die Familie hat sich bereits zum Newsletter angemeldet und freut sich darauf, im Rahmen des Projekts weiter mitzumachen und neue Impulse aufzunehmen.

Pflanzen | Familie M. aus Beelitz
Tränke | Familie M. aus Beelitz

Die Einsendung von Jana und Steffen M. aus der Beelitzer Altstadt zeigt eindrucksvoll, wie sich selbst ein stark versiegelter Stadthausgarten Schritt für Schritt in einen klimafitten, artenreichen Lebensraum verwandeln lässt. Vor drei Jahren begann das Paar, ihren nur rund 200 m² großen, zu 80 % betonierten Garten grundlegend umzugestalten. Sie entfernten nahezu alle versiegelten Flächen und legten statt dessen üppige Staudenbeete sowie einige Obstsäulen an – mit klarer Priorität auf Trockenheitsresistenz und Insektenfreundlichkeit.

Die Vielfalt der neu gepflanzten Stauden ist bemerkenswert: Von Lavendel, Skabiosen und Fetthennen über Salbei, Eisenkraut und Echinacea bis hin zu Krötenlilie, Mädchenauge, Glockenblumen und zahlreichen Frühblühern. Viele Entscheidungen fällten sie bewusst aufgrund eigener Naturbeobachtungen – etwa, die wilden Wicken stehen zu lassen, weil die Blaue Holzbiene sie besonders liebt. Der Erfolg zeigt sich deutlich: Rosenkäfer, Holzbienen, Taubenschwänzchen und sogar eine Gottesanbeterin haben den Garten bereits für sich entdeckt.

Zudem setzen Jana und Steffen auf Regenwassernutzung, Trockenmauern aus Feldsteinen, Totholzbereiche und kreative Strukturen wie eine Zinkwanne voller Holz für insektenfreundliche Rückzugsorte. Gedüngt wird ausschließlich mit natürlichen Mitteln wie Kaffeesatz oder Bio-Dünger, gegen Schädlinge helfen Hausmittel statt Chemie. Der lebendige Boden mit Regenwürmern, Ameisen und Erdwespen zeigt, wie aktiv das kleine Ökosystem bereits funktioniert.

Ihr Fazit fällt eindeutig aus: Der Garten ist heute trockentoleranter, pflegeleichter und voller Leben. Zwischen üppiger Blütenpracht und vielfältigem Insektentreiben lässt sich – auf der eigens aufgestellten Sitzbank – stundenlang Natur aus nächster Nähe beobachten.

Blick Richtung Osten | Familie M. aus Beelitz
Blick Richtung Osten | Familie M. aus Beelitz

Fazit: Gartenwandel wirkt – vielfältig, kreativ und gemeinsam

Die Einsendungen der vergangenen Monate zeigen eindrucksvoll, wie unterschiedlich Gartensituationen sein können – und doch, wie ähnlich die Motivation ist: mehr Lebensraum für Tiere und Pflanzen zu schaffen, Ressourcen zu schonen und den eigenen Garten Schritt für Schritt klimafitter zu gestalten. Von großen Grundstücken mit Wildnisanteilen bis hin zum kleinen Stadtgarten, der aus einer betonierten Fläche neu entsteht, reicht das Spektrum der Beiträge.

Gemeinsam ist allen Einsenderinnen und Einsendern der Wille, Verantwortung zu übernehmen und aktiv zu gestalten. Viele setzen bereits lange auf chemiefreies Gärtnern, Regenwassernutzung, Totholzstrukturen, Mulchpflege und heimische Pflanzen – andere entdecken gerade erst neue Möglichkeiten, probieren aus, tauschen sich aus und lernen voneinander. Besonders wertvoll sind die vielen individuellen Lösungen: Schafgarbe statt Rasen, Karton-Mulch gegen Trockenstress, Trockenmauern als Lebensraum, sorgfältig ausgewählte Stauden für Insekten oder das konsequente Erhalten von Wildbereichen.

Was deutlich wird: Gartenwandel entsteht nicht durch ein einzelnes großes Projekt, sondern durch viele kleine, kluge Entscheidungen, die sich zu einem lebendigen Ganzen fügen. Die eingesandten Beispiele machen Mut, zeigen Kreativität – und beweisen, wie viel bereits in kurzer Zeit erreicht werden kann, wenn Menschen bereit sind, ihren Garten als aktives Ökosystem zu denken.

Für uns ist das Projekt ein Erfolg, vor allem wegen der Vielfalt und Offenheit der Teilnehmenden. Die Erfahrungen, Ideen und Fragen aus den Gärten der Region schaffen eine wachsende Wissensbasis, von der alle profitieren. Und sie zeigen: Klimafitte, artenreiche Gärten sind kein Ideal – sie entstehen bereits überall um uns herum.

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