Abschluss unseres Projekts „Gartenwandel“

Zum Abschluss unseres Projekts „Gartenwandel“ möchten wir einen Garten vorstellen, der eindrucksvoll zeigt, wie aus Beobachtung, Geduld und Verantwortungsbewusstsein ein wertvoller Lebensraum entstehen kann. Annette Lattke nimmt uns mit in ihren Garten „Praeludium“ in Brandenburg.

Garten Präludium – Ein Garten als Vorspiel für die Zukunft

Annette Lattke aus Freidorf in Brandenburg hat ihrem 2.100 Quadratmeter großen Garten einen ungewöhnlichen Namen gegeben: „Praeludium“. Der Begriff stammt aus der Musik und bedeutet „Vorspiel“. Für die Musikerin beschreibt er genau das, was ein Garten für sie ist: ein niemals abgeschlossenes Werk.

„Der heutige Tag ist nur das Vorspiel für das nächste Jahr. Was wir heute im Garten komponieren, macht morgen den Klang“, schreibt sie. Dieser Gedanke zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Gartenprojekt.

Vom Sandhügel zum Lebensraum

Als Annette und ihre Familie das Grundstück Ende 2022 übernahmen, schien es auf den ersten Blick wenig spektakulär: ein trockener Sandhügel an einer Lindenallee. Doch statt sofort mit der Umgestaltung zu beginnen, stand zunächst das Beobachten im Mittelpunkt.

Über Monate hinweg dokumentierte sie die vorhandenen Pflanzen- und Insektenarten, um bestehende Lebensräume nicht zu zerstören. Schnell zeigte sich, dass der Garten weit vielfältiger war als zunächst vermutet. Neben extrem trockenen Bereichen gab es auch feuchtere Zonen mit hohem Grundwasserstand. Die frühere Nutzung als Weidefläche hatte ebenfalls deutliche Spuren hinterlassen.

Mit dem Ende der Beweidung veränderte sich die Vegetation rasant: Gräser und Brennnesseln eroberten große Flächen zurück. Für Annette war dies der Ausgangspunkt einer behutsamen Entwicklung hin zu einem naturnahen Garten.

Totholz 2024
Totholz 2026

Struktur schaffen für Tiere und Pflanzen

Eines der ersten Projekte war eine rund 50 Meter lange Totholzhecke entlang der Grenze zum benachbarten Landschaftsschutzgebiet. Sie bietet heute zahlreichen Tierarten Schutz und Nahrung. Bereits im ersten Jahr zog ein Zaunkönig ein. Inzwischen nutzen auch Gartenrotschwänze, Igel, Ringelnattern und zahlreiche Insekten die strukturreiche Hecke.

Da ein geplanter Teich zunächst aus finanziellen Gründen warten musste, entstanden mehrere kleine Wasserstellen. Ein alter Mehltrog, bepflanzte Gefäße und Vogeltränken versorgen heute Insekten und Vögel mit Wasser und werden intensiv genutzt.

Ergänzt werden diese Lebensräume durch heimische Heckenpflanzungen, offene Sandflächen für bodennistende Wildbienen, Totholzbereiche, Käferkeller, Wildbienenhäuser, eine Eidechsenburg sowie ein eigens gebautes Mauswieselhaus.

mit Teichfolie ausgestatter Mehltrog
Käferkeller mit Stumpengalerie

Platz für die Vielfalt

Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Förderung heimischer Arten. Überall im Garten wachsen standortgerechte Pflanzen, die Nahrung und Lebensraum bieten. Auf den mageren Sandflächen finden Wildbienen und seltene Insekten geeignete Bedingungen. Besonders freut sich Annette über das Vorkommen der Blauflügeligen Ödlandschrecke, die auf offene, warme Sandflächen angewiesen ist.

Die Gartenwiese wird nur selten betreten und nach und nach mit heimischen Wildpflanzen angereichert. Dadurch entwickelt sich eine immer größere Vielfalt an Blütenpflanzen, Insekten und Vögeln.

Auch die Rosenhecke auf dem Hügel gehört zu den Herzensprojekten der Gartenbesitzerin. Verschiedene Wildrosenarten bilden dort einen wertvollen Lebensraum und überraschen mit besonderen Eigenschaften – etwa die Weinrose, deren Blätter in der Sommersonne intensiv nach Apfel duften.

Nutzgarten und Naturschutz im Einklang

Trotz des starken Fokus auf die Biodiversität gibt es auch klassische Nutzgartenbereiche. Obstbäume, Beerensträucher, Kräuter und ein großes Hochbeet liefern zukünftig Erträge für die Küche.

Dabei werden natürliche Kreisläufe konsequent genutzt: Schnittgut dient als Mulch, Laub bleibt im Garten und wird unter Sträuchern verteilt, Komposthaufen schaffen zusätzlichen Lebensraum für Tiere. Selbst scheinbare Herausforderungen wie die zahlreichen Wühlmäuse werden möglichst naturnah betrachtet. Statt zu bekämpfen, setzt Annette auf natürliche Gegenspieler wie Mauswiesel, Füchse und Maulwürfe.

Tatsächlich konnten bereits Ringelnattern, Blindschleichen und zahlreiche weitere Wildtiere auf dem Grundstück beobachtet werden.

Blindschleiche
Steinpyramide als Mauswieselhaus

Ein Garten als Lernort

Für Annette ist der Garten weit mehr als ein Stück Land. Er ist ein Ort des Beobachtens, Lernens und Staunens.

„Das Entdecken und Beobachten immer neuer Insekten und Pflanzen ist für mich ein täglicher Quell von tief empfundener Freude“, schreibt sie.

Ihr Beispiel zeigt eindrucksvoll, dass naturnahes Gärtnern nicht Verzicht bedeutet, sondern Vielfalt schafft. Mit heimischen Pflanzen, dem Verzicht auf Torf und einem bewussten Umgang mit Ressourcen entsteht Schritt für Schritt ein Garten, der nicht nur den Menschen erfreut, sondern auch unzähligen Tieren einen Lebensraum bietet.

So bleibt „Praeludium“ seinem Namen treu: kein fertiges Werk, sondern ein fortwährendes Vorspiel – voller Möglichkeiten, Überraschungen und neuer Klänge.

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