Kein Aprilscherz – Pflanztag am 1.April 2025 für nachhaltige Landwirtschaft in Elsholz

„Der Landwirtschaftsbetrieb Thomas Seehaus schreibt heute Geschichte mit dem 1. Agroforstsystem im Beelitzer Spargelanbaugebiet“ sagt Jürgen Frenzel nach einem erfolgreichen Feld-Tag in Elsholz, der neue Perspektiven für die Landwirtschaft in Brandenburg eröffnete.

Innovatives Agroforstsystem in Aktion

Im Rahmen des Bundesforschungsprojekts SEBAS wurden auf 4,5 Hektar Ackerfläche mehrere dreireihige Pappelstreifen angelegt. Die Demonstrationspflanzung, durchgeführt durch die Spezialfirma Lignovis GmbH, zeigt eindrucksvoll, wie Gehölze in die landwirtschaftliche Praxis integriert werden können. Diese Methode trägt nicht nur zur CO₂-Bindung bei, sondern verbessert auch den Ertrag und schafft zusätzliche Wertschöpfungsmöglichkeiten durch die Nutzung der Gehölze.

Erfolgreicher Feld-Tag in Elsholz

Mehr als 30 Praktiker und Pioniere der Agroforstwirtschaft kamen zusammen, um Erfahrungen auszutauschen und innovative Lösungsansätze zu diskutieren. Zu den Anwesenden zählten unter anderem Projektpartner wie Thomas Domin aus Senftenberg, Max Küsters von der Finck-Stiftung sowie Christian Braune aus Nuthetal. Jürgen Frenzel, der den Tag betreute, betonte:
„Wir hatten hier Jahre, die im Durchschnitt nur 300 mm Niederschlag brachten – vergleichbar mit den Bedingungen der Kalahari. Dort wachsen keine Bäume, nur noch dornige Sträucher. Wir müssen Lösungen finden, damit Brandenburg nicht zur Wüstenlandschaft wird.“

Nachhaltige Landnutzung und Klimaanpassung

Die anhaltende Trockenheit, sandige Böden und der zunehmende Wind führen zur Erosion nährstoffreicher, humoser Bodenteilchen. Bäume auf den Feldern können dieser Entwicklung entgegenwirken, indem sie den Boden stabilisieren, Wasser und Nährstoffe halten und so die Fruchtbarkeit langfristig sichern. Jürgen Frenzel erinnert an historische Ansätze, denn bereits vor 250 Jahren griff Peter Joseph Lenné in seinen Landschaftsplanungen die Prinzipien der Waldlandschaften zur Stabilisierung der Sandböden auf – ein Vorbild für die heutigen Herausforderungen.

Im Rahmen eines Fachvortrags zu Förder- und Beratungsmöglichkeiten berichtete Leon Bessert vom DeFAF e.V. und verdeutlichte, wie interdisziplinäre Kooperationen zwischen Wissenschaft, Fachverbänden und praktizierenden Landwirten den Weg für eine nachhaltige und klimaangepasste Landwirtschaft ebnen können.

Agroforst & Blühstreifen: Artenvielfalt in der Landwirtschaft

Agroforstsysteme sind eine nachhaltige Landnutzungsform, bei der Gehölze wie Bäume oder Sträucher gezielt in landwirtschaftliche Flächen integriert werden. Diese Kombination aus Ackerbau, Grünland oder Tierhaltung mit Gehölzstrukturen verbessert das Mikroklima, fördert die Bodenfruchtbarkeit und bietet Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.

Ein Bundesforschungsprojekt wird u.a. in Elsholz umgesetzt. BTU Cottbus, DeFAF (Deutscher Fachverband für Agroforstwirtschaft) e.V., DVL (Deutscher Verband für Landschaftspflege) und der Kooperationsbetrieb untersuchen die Artenvielfalt in Agroforstsystemen und setzen sich für breiten Wissenstransfer sowie für den Abbau von Hindernissen und Hemmnissen für diese Klimaanpassungsmaßnahme in der Landwirtschaft ein.

Der Verein Blühstreifen e.V. ist in Personalunion ebenfalls dabei und hat das Thema in die Region geholt. Der Blühstreifenverein Beelitz e.V. unterstützt Agroforstsysteme, da sie einen wichtigen Beitrag zur Förderung der Biodiversität leisten. Besonders das Bundesprojekt SEBAS hat gezeigt, dass die größte Artenvielfalt dann entsteht, wenn Agroforstsysteme mit Blühstreifen kombiniert werden.

Gleichzeitig setzt sich der Blühstreifenverein Beelitz e.V. für eine Anpassung der Ökoregelungen ein, um Agroforstsysteme mit Blühstreifen kombinieren zu können und damit die Artenvielfalt in der landwirtschaftlichen Praxis zu verbessern.

Ausblick

Der Pflanztag in Elsholz markiert nicht nur einen Wendepunkt in der regionalen Agrarlandschaft, sondern setzt auch ein deutliches Zeichen für die Zukunft der Landwirtschaft in Brandenburg. Mit innovativen Projekten wie dem Agroforstsystem und der gezielten Förderung von Blühstreifen wird ein wichtiger Beitrag geleistet, um den Herausforderungen des Klimawandels nachhaltig zu begegnen und gleichzeitig die Artenvielfalt zu fördern.

Kerstin Pahl

2 Kommentare

  1. Welche Baumarten wurden angepflanzt? Wer finanziert das Projekt? Ich wünsche den Bäumen, dass sie gut wachsen.
    Ich hatte mich auch angemeldet, leider hat mir mein Fahrrad einen Strich durch die Rechnung gemacht.
    Agroforstsysteme gab es auch zu DDR-Zeiten, zumindest auf den Feldern, wo wir als Schüler und Studenten zum Rübenhacken und zur Kartoffelernte eingeteilt waren (war eine tolle Sache !!!!). An langen Windschutzhecken haben wir unser Frühstück eingenommen.
    Wie funktioniert die agrosilvopastorale Variante und wer führt sie auf den Beelitzer Feldern ein?
    Aus meiner Sicht waren es nur wenige Teilnehmer, Jürgen Jacobs hatte ich erwartet.

    1. Liebe Gela,

      vielen Dank für Dein Interesse. Schade, dass Dein Fahrrad Dich im Stich gelassen hat. Wenn Du Hilfe brauchst, melde Dich gerne.
      Zu Deinen Fragen: Es wurden optimierte Hybrid-Pappeln gepflanzt, die schon im Herbst Schatten spenden, bevor weitere Edelgehölze hinzugepflanzt werden. Finanziert wird das Projekt im Rahmen des SEBAS-Projektes (BMUV), bevor demnächst eine Förderung in Brandenburg möglich ist.
      Herzliche Grüße
      Bluehstreifen Beelitz e.V.

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